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Aktueller Artikel zum Stand in Phi Phi
Neubeginn im Paradies der Rucksackreisenden [12.12.05]
Nach dem Tsunami kehren die Touristen nur langsam zurück auf die thailändische Insel Phi Phi
Willi Germund
PHI PHI. Das kleine blau-weiße Haus strahlt in frischen Farben. Vor dem Eingang stehen noch zwei Farbtöpfe, ein ungewolltes Symbol für die Wiedergeburt des Tauchunternehmens Mosquitodiver auf der thailändischen Insel Phi Phi. Der Österreicher Heinz Oswald, der die Firma vor 16 Jahren gründete, kam bei dem Tsunami am 26. Dezember vergangenen Jahres mit zwei seiner Kinder ums Leben. Ehefrau Noi, die sich mit einem Säugling retten konnte, wagt nun den Neustart. "Wir mussten ein Boot verkaufen", sagt Manager Toine Kokke, "und wirklich viele Kunden haben wir noch nicht".
Ein paar Schritte hinter dem Haus liegen Trümmer, die von der Flutwelle hinterlassen wurden, als sie über die Sandbank hinwegrauschte, kleine Hotels, Geschäfte und Hütten der einheimischen Bevölkerung niederwalzte und Hunderte von Menschen in den Tod riss. In der Mitte des ehemaligen Ortes entsteht ein kleiner Park. Er soll eine Gedenkstätte werden und ist das einzige Projekt, das Thailands Behörden seit der Naturkatastrophe auf der Insel starteten.
"Regierung, verschwinde!" steht in Thai auf einem kleinen Flugblatt, das Unbekannte auf eine Trümmerwand geklebt haben. Der Grund des Zorns: Thailands Vizepremier Phinij Jarusombat will das ehemalige Dorado der Rucksackreisenden mit seinen spektakulären Felsformationen, zahlreichen Tauchmöglichkeiten und teilweise unberührtem Wald in eine "Boutique-Insel" verwandeln, die Besucherzahl von jährlich einer Million Touristen auf 400 000 drücken und den durchschnittlichen Übernachtungspreis von gegenwärtig 21 Euro auf 635 Euro hoch schrauben.
Die Einheimischen wehren sich gegen die Eroberung ihrer Insel durch das große Geld. Sie fürchten, zukünftig nur noch als Tagelöhner oder Hilfspersonal Beschäftigung zu finden. "Nach dieser Auseinandersetzung hat die Regierung Phi Phi einfach vergessen", sagt Lee Srisangad, Koordinator einer Hilfs-Initiative für Phi Phi. "Wir haben uns selber helfen müssen, um Wasser und Stromversorgung wieder herzustellen."
Thailands Regierung baute bislang nicht einmal ein Tsunami- Warnsystem. Die Insel verfügt über ein altes Modell, das manuell betrieben wird - das wohl älteste Modell der Welt. Es war ein Geschenk aus Großbritannien. "Wir haben sogar das Meer selbst von den Abfällen und Trümmern gesäubert, weil die Regierung nichts unternahm", erzählt Toine Kokke.
Dennoch funktioniert der Tourismus. Die Insel verfügt über 1 500 Gästebetten, die Hälfte der Kapazität, die vor der Flutwelle auf der Insel vorhanden war. Viele der Unterkünfte überstanden die Tsunami-Wellen unbeschädigt, weil nur die flach liegende Gegend zwischen den Stränden Ao Loh Dalam und Ao Ton Sai überflutet wurde.
Die 45-jährige Pumjai Panchan eröffnete vor einigen Wochen ein kleines Restaurant - mit einem zinsfreien Kredit in Höhe von 400 Euro, den sie von einer schwedischen Organisation erhielt. "Jetzt kann ich wenigstens für die Hochsaison öffnen", sagt die resolute Thailänderin, "wenn ich auf die Regierung gewartet hätte, wäre ich verhungert".
So ist Phi Phi weit davon entfernt, sich zu einem Ferienziel für Nobeltourismus zu entwickeln. Im Gegenteil: Die Besitzer eines Hotels, das immer noch in Ruinen liegt, versuchen, sich mit chinesischen Tagestouristen über die Runden zu retten. Jeden Morgen spucken Ausflugsfähren Hunderte von Besuchern aus, für die in langen Reihen Liegestühle bereit stehen. Souvenirhändler versuchen, ein paar Andenken zu verkaufen. Am frühen Nachmittag kehren die Urlauber aus China dann wieder in ihre Hotels in Phuket zurück.
"Rund 70 Prozent der Besucher von Phi Phi sind Touristen, die sich die Insel nach dem Tsunami einmal anschauen wollen", sagt Toine Kokke von Mosquitodiver. "Sie bleiben maximal drei bis vier Tage, machen aber keine langen Ferien hier wie vor der Flutwelle." Die anderthalb Dutzend Tauchunternehmen auf der Insel begegnen der Flaute mit Preisabsprachen: Niemand soll Konkurrenten unterbieten.
Auch die vielen Bars und Restaurants, die in besser geschützten Lagen die Flutwelle überstanden haben, sind halb leer. Angesichts der immer noch sichtbaren Verwüstung steht den Urlaubern, die auf die Insel kommen, der Sinn offensichtlich nicht nach ausgelassenem Nachtleben - obwohl die Kneipen nicht einmal eine Sperrstunde einzuhalten brauchen. << zurück
Weitere Infos unter http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/508410.html
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